Meine Abenteuer mit der F.A.Z.

19 Jan

Ich gebe auf, denn ich kann nicht mehr. Ich habe alles gegeben, aber der Wächter lässt mich einfach nicht ein. Ich habe Stunden um Stunden verbracht, habe gemailt, telefoniert – vor allem telefoniert – , ich habe mich wirklich bemüht, aber der Eingang bleibt vor mir verschlossen.

Dabei ist mein Ansinnen eigentlich ein Alltägliches. Es sollte eigentlich binnen Minuten erledigt sein, und alle Beteiligten könnten glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben. Weit gefehlt: Die weithin gerühmte Qualitätszeitung F.A.Z. auf dem iPad zu lesen ist mir nicht vergönnt. Dabei ist mein Fall gar nicht so ungewöhnlich. Mein Arbeitgeber bezieht mehrere F.A.Z.-Abos und in Kombination mit einem dieser Abos möchte ich das vergleichsweise kostengünstige e-Paper-Angebot nutzen. Denn ich lese die Zeitung vor allem im beruflichen Kontext.  Das bekommt die ehrwürdige Zeitung aber nicht hin. Eine kurze Zeit lang konnte ich zwar tatsächlich die Zeitung auf dem iPad lesen, aber dann erhielt ich irgendwann die gesalzene Rechnung, nämlich ohne den kombinierten Abo-Rabatt. Was folgte waren quälende Vormittage in der Hotline der F.A.Z., Gespräche mit immer freundlichen und hilfsbereiten, aber oft ahnungslosen Hotline-Mitarbeitern, Kundennummer- und Auftragsnummer-Orgien, die ständige Versicherung, jetzt sei alles in Ordnung und ich könne mich problemlos einloggen … Nein, nichts war in Ordnung. Nirgendwo konnte ich mich einloggen, immer blinkten Fehlermeldungen, immer waren meine dargebotenen Kundennummern, Auftragsnummern, Passwörter oder Anmeldennamen wahlweise falsch oder unbekannt. Zwischenzeitlich schickte die Zeitung Mahnungen, worauf wieder Anrufe nötig wurden und die abermalige Zusicherung, jetzt habe man aber alles eingerichtet.

Dann kam der Tag des heldenhaften Hotline-Mannes, des Möglichmachers, des unerschrockenen Kämpfers im Namen der Kundennummer, der nur sagte: “Oh, das ist aber unübersichtlich! Aber das kriegen wir hin!” Ja, Hoffnung keimte in mir auf, im gramgebeugten Fast-FAZ-Leser  glomm noch ein Fünkchen Leben, müde hob ich die bleischweren Lider: Sollte da draußen wirklich noch echtes Leben sein? Ja, der Hotline-Held hauchte seinen lebensspendenden Odem aus, und siehe da: es ging! ES GING! 

Ich konnte F.A.Z. auf dem iPad lesen! Es kam die richtige Rechnung! HURRA! Doch, ach, die Freude währte nicht lange. Denn ein Jahreswechsel stand an. Ja, ein Jahreswechsel, der offensichtlich verheerende Wirkung auf das Kundennummer- und Auftragsnummer-Management der F.A.Z. hat. Ich bin wieder unbekannt. Ich bin wieder ein Niemand. Die iPad-App erkennt mich nicht mehr. Alle Nummern-, Anmeldenamen- und Passwort-Kombinationen fruchten nichts: Man will mich nicht. Und es ist mir gleichgültig: Sollen sie ruhig hunderte von Euro in Rechnung stellen, ich werde mich nicht mehr rühren. Ich bin ein gebrochener Leser. Ein nachhaltig geschädigtes Hotline-Opfer. Das Wort “Auftragsnummer” verursacht mir Schmerzen.

Nur eines bereitet mir in lichten Momenten hin und wieder ein wenig Freude. Dann richte ich mich schwerfällig auf, geblendet von dem schmalen Sonnenstrahl, der durch die nicht ganz geschlossenen Fenstervorhänge fällt, und blinzle lächelnd vor mich hin: Von allen Zeitungs-Apps, die ich jemals auf dem iPad las, ist die der F.A.Z. mit Abstand die Schlechteste.

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Zwischen allen Stühlen

11 Dez

Ein kurzes Fazit zum Forum Wissenschaftskommunikation 2011.

Odysseum Köln, 6. 12. 2011

Das „Forum Wissenschaftskommunikation“ (FWK) stand in diesem Jahr (6. bis 8. Dezember 2012 in Köln) erstmals unter einem Motto: „Zwischen den Stühlen. Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft“. Ich hatte als Mitglied der Programmkommission frühzeitig darauf gedrungen, das Forum unter ein Oberthema zu stellen. Denn schließlich schwebt Wissenschaftskommunikation nicht im freien Raum, sondern ist vielfältigen Prozessen unterworfen, entwickelt sich weiter, streift Altes ab und begegnet neuen Aufgaben. Um so wichtiger ist es, dass sich die Schar derer, die sich professionell mit der Kommunikation von Wissenschaft beschäftigt, nicht bloß einmal im Jahr irgendwo trifft, um die immer gleichen Probleme zu diskutieren, sondern das eigene Tun im Licht der oben beschriebenen Prozesse reflektiert. Ein jährliches Treffen wie das FWK bietet die Möglichkeit, zu überprüfen, wo „die Wissenschaftskommunikation“ steht, ob und wie sie sich weiter entwickelt.

Die eigentliche Frage, auf die das diesjährige Motto zielte, war die Frage nach den Chancen und Hindernissen der Profession. Wie professionell können eigentlich Kommunikatoren sein, die sich beispielsweise eigentlich längst im Web tummeln müssten, aber ständig von Chefs ausgebremst werden, die noch immer in ihren alten Papierwelten leben? Wie können Kommunikatoren eigentlich auf den rapiden Bedeutungsverlust der herkömmlichen (Print-)Medien reagieren, wenn Sie doch im eigenen Hause immer noch am Umfang des Pressespiegels gemessen werden? Was bedeutet die Digitalisierung von Kommunikationsprozessen? Wie stark wandelt sich das Berufsbild des Presseprechers oder Öffentlichkeitsarbeiters und was bedeutet das für die Kommunikationsformen und -instrumente, die ihm zur Verfügung stehen?

Ein großes Feld also, das auf dem Forum hätte beackert werden können. Doch nur wenig von all diesen interessanten Themen schien beim Forum wirklich auf. Schon die Auftaktvorträge ließen fast alles zu wünschen übrig. Ranga Yogeshwar übte bei seinem Vortrag über die Medien-Berichterstattung zu Fukushima zwar scharfe Kritik an Medien und stellte die journalistische Kompetenz vieler Berichterstatter in Frage, doch letztlich war die Botschaft dann doch nur, was für ein pfiffiges Kerlchen dieser Yogeshwar dagegen doch ist. Für die Zuhörer barg dieser Vortrag dann höchstens die Einsicht, dass Massenmedien noch blöder sind als ohnehin vermutet, und dass – soweit auch nicht unbedingt etwas Neues – lieber der größte Quatsch über die Sender geht, bevor man erst einmal ordentlich recherchiert.

Einem nichtssagenden, inspirationslosen Beitrag aus dem Bundesbildungsministerium folgte dann der hochdekorierte Max-Planck-Forscher Ferdi Schüth, der die eigentlich spannende Aufgabe übernommen hatte, die Erwartungen der Wissenschaft an die Wissenschaftskommunikation zu skizzieren. Sein Vortrag war einer der Tiefpunkte des gesamten Forums und hätte in dieser Form auch gut in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehalten werden können. Schüth malte das Bild des gutmütigen, aber weltfremden Wissenschaftlers, der eigentlich keine Zeit und Lust hat, etwas anderes zu tun, als zu zu forschen. Kommunikatoren gestand er höchstens eine servile Rolle als Steigbügelhalter für die wissenschaftlichen Eminenzen zu. Wir kennen das: Pressesprecher, die an mehrseitige Pressetexte nur noch ein Schleifchen dranstricken dürfen, und das Ganze dann „den Medien“ verkaufen sollen. Reiner Korbmann hat in seinem Blog ausführlich über den Vortrag Schüths berichtet. Seiner Kritik ist nicht viel hinzuzufügen.

Ein weiteres Problem des diesjährigen Forums trat ebenfalls deutlich zu Tage: Den Großteil des Programms aus den Vorschlägen eines „Call for Papers“ zu bestreiten, ist langfristig keine gute Idee. Das Programm zerfaserte, zu viele eingereichte Beiträge gingen am Thema der Tagung vorbei oder streiften es nur gelegentlich am Rande. „Wissenschaft im Dialog“ als Veranstalter sollte in Zukunft meiden, es allen Recht machen zu wollen. Das führt zu Beliebigkeit und einem bedenklichen Absinken des Qualitätsniveaus mancher Sessions. Das Programm braucht deutlich mehr Struktur und thematische Bindung an das Zentralmotto. Zudem müssten die Themen und Personen der zentralen Vorträge und Sessions durch das Programmkomitee festgelegt bzw. ausgewählt werden.

Das Bedürfnis vieler Teilnehmer nach konkreten Hilfestellungen für die tägliche Arbeit könnte gut durch eine Workshop-Reihe parallel zum Hauptprogramm aufgefangen werden. Und all jene, die Aspekte vorstellen möchten, die etwas abseits der großen Themen liegen, könnten dies wunderbar in einer eigens eingerichteten „Speakers Corner“ tun. Dort wären dann alle frei, über das zu reden, was ihnen am Herzen liegt. Und alle anderen wären ebenso frei, zu entscheiden, ob sie sich das anhören mögen.

UPDATE, 12.12.2011, 14:30 Uhr:

Zwei interessante Blogposts zum FWK11 möchte ich allen Interessierten noch ans Herz legen:

Christoph Larssen: Monolog statt Dialog
Matthias Fromm: Shakehands, aber keine Kratzer am Prüfstein

Interessant auch noch mal zum Nachlesen ist der Twitter-Stream zum FWK11.

 

 

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Bombay Bicycle Club: A Different Kind of Fix

1 Dez

Höchste Zeit, ein Album zu loben, das ich jetzt schon wochenlang immer wieder komplett durchhöre, und das mich jedes Mal wieder neue Höhepunkte entdecken lässt. Die Rede ist von dritten Album des Bombay Bicycle Club: A Different Kind of Fix. Nachdem die vier Jungs aus Britannien 2009 ihr erstes, vielbeachtetes und vielgelobtes Indie-Rock-Album „I Had The Blues But I Shook Them Loose“ vorgelegt hatten, wagten sie mit “Flaws“ (2010) einen vollkommenen U-Turn in den Folk, nur um jetzt mit dem dritten Album wieder etwas völlig Neues vorzulegen.

Allerdings ist es fast unmöglich, dieses Gesamtkunstwerk in angemessenen Worten zu beschreiben, ohne ständig zu vergleichen: Hier klingen sie ein wenig wie Foals und da ein bisschen wie Coldplay in ihrer Frühzeit. Doch so richtig weiter führen solche Vergleiche nicht.

Jeder der dreizehn Songs ist eine eigene Welt. Kaum hat man als Hörer den Mut gefasst, die Ohren auf eine bestimmte Richtung einzuschwören, ereignet sich schon wieder etwas völlig anderes. Und trotzdem ist es unverkennbar BBC: fließend dominante Bassläufe, eine unerbittlich voranpeitschende Rythmusabteilung, dunkle satte Riffs, überstrahlt von sphärenhaften Synthieteppichen wie auf dem für mich ohnehin alles überstrahlenden „Bad Timing“.

Ihr großartiges Düsseldorfer Konzert (24.11.2011) begann die Band mit dem höchst eingängigen „Shuffle“ , das auf dem Album beweist, welche exzellente Qualität die Band mit ihrem vielstimmigen Gesang mittlerweile erreicht hat. Überhaupt der Gesang: Was Frontmann Jack Steadman mit seinem Organ zu leisten vermag, durfte er schon auf „Flaws“ ausgiebig demonstrieren. Auch auf dem aktuellen Album zeigt er, dass seine außergewöhnliche Stimme einen Großteil der Faszination BBC ausmacht.

Auf der Bühne in Düsseldorf, bei einem von nur drei Konzerten in Deutschland, waren Steadman und seinen Kumpanen ebenfalls hochpräsent, auch wenn die stimmlichen Qualitäten der Band unter Live-Bedingungen naturgemäß etwas litten. Die sonstigen Qualitäten der Live-Band BBC sind hingegen unbestritten: Wie knalltrocken diese Jungspunde ihre Musik  dem Publikum um die Ohren zu hauen verstehen, war schon ein großer Genuss. Und doch hatte man das Gefühl, dass noch viel mehr möglich ist: Gern hätte man sich gewünscht dass die Stücke, einmal ins Rollen gekommen, auch mal weiter rollen dürfen als auf dem Studio-Album. Headbanging inklusive.

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Carsten Rohlfs über den Lernort Schule

28 Nov

So wünscht man sich einen Professor von heute. Ein spannendes Interview mit Carsten Rohlfs, Professor an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und Experte für Schulpädagogik und Methoden der Bildungsforschung.

Ein Gespräch über die Zwangsveranstaltung Schule und die Bildungsbegeisterung von Migranten, das offenbar vorhandene Bedürfnis nach Disziplin und nach einfachen Antworten auf Probleme, das Lernen von guten Beispielen und den Selektionsmechanismus Schule, der Begabung auch zerstören kann.

Carsten Rohlfs sagt: “Das Problem ist, dass die Schule eine Zwangsveranstaltung ist. Schüler finden Leistung und Erfolg gar nicht so uncool. Für die meisten ist es ganz, ganz wichtig.”

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Kindle, oder: Die Essenz des Lesens

28 Nov

Neulich beim Renovieren wurde es mir wieder schmerzlich bewusst. Es war sozusagen physisch spürbar: Bücher zu besitzen ist Unsinn. Man stellt sie sich jahrelang, sogar jahrzehntelang ins Bücherregal und würdigt sie doch keines Blickes mehr. Oder nur dann, wenn man gerade wieder einmal renoviert.

Ich kann mich überhaupt an kein Buch erinnern, das ich zweimal gelesen hätte. Selbst meine Lieblingsbücher habe ich nach einmaliger Lektüre nie wieder angeschaut. Vielleicht sind sie auch nur deshalb meine Lieblingsbücher, weil ich sie in guter Erinnerung habe. Vielleicht fände ich sie nach abermaliger Lektüre und mit dem Abstand vieler Jahre langweilig, öde oder gar ärgerlich schlecht?

Zugegeben: Ich finde es beruhigend, dass manche Bücher im Regal stehen. Sie stehen für eine bestimmte Phase meines Lebens, manchmal für ein Lebensgefühl. Sie zeigen mir, dass ich eine Geschichte habe. Und genau das ist das Problem mit Büchern: Sie sind Projektionen unserer Wünsche, Erinnerungen und Träume. So ist es mit vielen Dingen, mit denen wir uns in unseren Wohnungen und Häusern umgeben. Sie sollen uns zeigen, dass wir leben.

Das ist auch bei der Musik der Fall. Bei den alten Vinyl-Platten, die wir im Keller lagern, weil wir längst keinen Plattenspieler mehr haben, aber sie trotzdem nicht wegwerfen können. Weil sie uns an unsere Jugend erinnern, an die erste Liebe oder an die wilde Studentenzeit. Selbst die noch relativ junge CD staubt schon in den Regalen vor sich hin, weil Musik heute auf unseren Festplatten und Abspielgeräten lagert. Was kommt eigentlich als Nächstes? Wir laufen durch die Wohnung, rufen der Großen Siri (oder wie auch immer sie heißen mag) einen Musiktitel zu und schon dröhnt es aus den Boxen?

Beim Buch ist es ja fast schon so. Seit ich mir jüngst ein preiswertes Kindle kaufte, kann ich der Großen Amazone einen Buchtitel zurufen und keine 15 Sekunden später hat sie es auf den Kindle gesendet. Unabhängig davon, ob es ein schmales Bändchen oder ein 700-Seiten-Schinken ist. In der digitalen Welt sind Wörter lediglich ein Massengut.

Man kann die Probe aufs Exempel machen: Wann immer man mit einem Menschen  über das Lesen auf elektronischen Geräten spricht, fallen unweigerlich die Worte „Haptik“ und „Geruch“. Der herkömmliche Büchermensch will seine Bücher halt fühlen und riechen. Will Eselsohren hineindrücken oder Notizen hineinkritzeln. Und er will das Buch hinterher in sein Regal stellen und es besitzen.

So viel Liebe hält ein Kindle gar nicht aus. Dabei bietet er nichts anderes als das gedruckte Buch. Die Worte auf seinem Bildschirm ergeben denselben Sinn, erschaffen dieselbe Welt, erzählen dieselbe Geschichte. Aber ohne philosophischen Überbau. Ohne die Aura des Buches, das uns ständig zuraunt: „Liebe mich! Ehre mich! Besitze mich!“ Der Kindle hat derlei Anbiederung nicht nötig. Er tut das, was er soll: Er zeigt Buchstaben in der richtigen Reihenfolge an. Er ist ein nüchterner, diskreter Butler. Das Buch aber ist eine anspruchsvolle Adlige, die ständig im Mittelpunkt stehen will.

Der Kindle ist die Essenz des Lesens. Er lenkt uns nicht mit philosophischen Überhöhungen ab, sondern lässt uns unbehelligt lesen. Und er fordert nichts von uns: Bits sind geduldiger als Papier.

Vielleicht werde ich in 20 Jahren meinen alten Kindle aus dem Keller hochholen und versonnen in alten Texten blättern. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Wie gesagt: Meine alten Bücher sind mir eigentlich gleichgültig. Wahrscheinlich blättere ich dann eher in einem opulenten Bildband oder in einem verführerischen Coffetable-Book, das nach allen Regeln der Buchdruckerkunst hergestellt wurde. Bücherregale werde ich nicht mehr haben. Nur noch ein ganz kleines. Darin stehen meine Lieblingsbücher, die ich zwar besitze, aber dennoch nie in die Hand nehme.

Alles andere wird der Geschichte anheimfallen.

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Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg!

19 Sep

Medien, vor allem die etablierten Online-Portale, sind austauschbar und oft belanglos. In ihrer Mut- und Ratlosigkeit schielen sie ausschließlich auf den Massengeschmack. Das ist die große Chance für die PR-Branche: Wer jetzt zum eigenen Sender wird, kann die richtigen Zielgruppen erreichen. Doch dazu gehören Mut und Ausdauer.

Zwischen Journalismus und PR verläuft nach wie vor ein tiefer Graben. Beide Sphären sind unmittelbar aufeinander angewiesen und dennoch ist das Verhältnis von viel zu hohen Erwartungen und falschen Hoffnungen geprägt. Besonders deutlich wurde das wieder auf dem diesjährigen „Kommunikationskongress“ des Pressesprecherverbandes in Berlin.

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Kaurismäkis “Le Havre”

12 Sep

Marcel Marx (André Wilms) und Idrissa (Blondin Miguel)

Aki Kaurismäkis „Le Havre“ zählt für mich zu den besten Filmen, die ich dieses Jahr im Kino sah. Es ist ein kleines, sozialromantisches Märchen, das einem richtig gute Laune beschert. Eigentlich ist es ein Flüchtlingsdrama, denn es handelt von Idrissa, dem Jungen aus dem Gabun, der in einem Container illegal nach Frankreich kam und auf der Flucht vor den Behörden ist. Er will zu seiner Mutter nach London und eine ganze Schar anrührender Menschen aus dem Kaurismäki-Universum helfen ihm selbstlos dabei.

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Bauchentscheidungen

11 Sep

Die kleine Video-Reihe „Die kommenden Tage“, die ich mit dem Journalisten Timur Diehn für den Stifterverband produziere, hat jetzt noch einmal Zuwachs bekommen. Der renommierte Max-Planck-Forscher Gerd Gigerenzer gibt ein völlig unaufgeregtes und deshalb gerade – wie ich finde – umso interessanteres Interview.

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Dreileben – ein TV-Experiment

4 Sep

Das große TV-Experiment „Dreileben“, das vor ein paar Tagen in der ARD lief, habe ich mir nicht am Stück angesehen. Es war mir, ehrlich gesagt, viel zu anstrengend, drei Filme á 90 Minuten hintereinander anzusehen. Ich habe die drei Stücke aufgezeichnet und dann peu á peu in der vergangenen Woche angesehen. Für mich waren alle drei Beiträge sehr überzeugende Filmkunst. Obwohl jeder Beitrag seine ganze eigene Handschrift trug und eine jeweils eigene Geschichte erzählte, verlor man als Zuschauer nie die Hintergrundgeschichte aus dem Auge. Für mich persönlich zählen die suggestiven Bilder des letzten Beitrags – „Eine Minute Dunkel“ – zu den Höhepunkten der Reihe. Stefan Kurt als vermeintlicher Sexualstraftäter Molesch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben – eine großartige schauspielerische Leistung. Und dass die Regisseure gerade den Thüringer Wald für ihre beklemmend-schöne Trilogie wählten, wird den nicht verwundern, der schon einmal in dieser magischen Gegend war.

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Oh Boy – Der Sommer von 1975

22 Aug

Oh Boy-CoverEin paar Wochen lang bin ich im Sommer 1975 immer wieder zu diesem Plattengeschäft hingelaufen. Das heißt, es war eigentlich gar kein reines Plattengeschäft. Es war mehr der örtliche HiFi-TV-Händler, der nebenbei auch Schallplatten verkaufte. Der hatte die Single, die ich unbedingt haben wollte, im Fenster liegen: „Mud – Oh Boy“. Die waren mächtig angesagt in diesem Sommer, in England sogar die Nr. 1. Aber ich hatte lange Zeit nicht die notwendigen 6 Mark dafür. Doch dann – nach einem Besuch der im beifälligen Geldzustecken immer verlässlichen Tante aus Duisburg, hatte ich die Kohle endlich zusammen. „Oh boy“ war mein!

Oh, was für ein Schatz. Ich trug ihn aufgeregt nach Hause, stellte meinen „Mister Hit“-Plattenspieler auf 45 Umdrehungen ein und genoss das gute Stück. All zu lang dauerte das Glück allerdings nicht an. Ein verdammt kurzes Stück war dieses „Oh boy“, 2:53. Also gut, dann nochmal von vorne. Und noch mal. Jetzt waren knapp zehn Minuten vergangen. Vielleicht mal die B-Seite anhören? Ich weiß nicht mehr, was es war, aber es nicht der Knaller. Typisch B-Seite halt. Und um dieses kurze Vergnügen hatte nun mein gesamtes aktuelles Finanzvolumen wochenlang gekreist? Das außerdem zur Folge hatte, dass ich jetzt komplett pleite war.

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