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Pokalfinalus Interruptus

17 Mai

Das Bild des Abends lieferte der Sportsender Sky. Gerade war eines der atemberaubendsten Pokalendspiele der jüngsten Zeit abgepfiffen worden und junge Dortmunder Spieler liefen jubelnd und mit riesigen schwarz-gelben Fahnen ausgestattet durchs weite Rund des Berliner Olympiastadions, da blendete Sky seine unglückselige Expertenrunde ein. Es gehört seit einiger Zeit zu den unergründlichen Besonderheiten dieser Expertenrunde, dass sie immer auf dem Fussballfeld platziert wird. Sommers wie winters sitzen mehr oder weniger honorige Herren – es sind immer und ausnahmslos Herren – an einem halbrunden Expertentisch und diskutieren entweder das Spiel, das gleich noch stattfinden finden wird oder das Spiel, das gerade eben stattgefunden hat. Das ist manchmal putzig, selten unterhaltsam, meistens aber brunzdumm.

Spielertunnel Signal Iduna ParkAm vergangenen Samstag nun, nach dem Ende des Pokalendspiels zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, wechselte die Kamera von den feiernden BVB-Jungspunden unmittelbar zur Griesgram-Runde am Spielfeldrand. Dort saßen: In sich zusammengesunken und irgendwie omifiziert wirkend, mit selbsttönender Sonnenbrille und einem zu einem schmalen Strich zusammengepressten Mund der Kaiser himself. Sodann Harald Schmidt, der sich scheinbar den ganzen Abend lang selbst darüber zu amüsieren schien, dass nun ausgerechnet er fussballexpertendämlich am Tische sitzen und nach Herzenslust inhaltslos vor sich hin schwafeln durfte. Zu seiner Rechten schien Ottmar Hitzfeld damit beschäftigt, seinen offenbar in luftige Höhen treibenden Blutdruck kraft seiner Gedanken einfangen zu wollen. Zumindest wirkte er so wie ein vom Verbandspräsidenten jahrelang gedisster und von der Boulevardpresse gehänselter Chefcoach nach dem Verlust der Weltmeisterschaft in der 94. Minute. Ganz rechts gab Jens Lehmann den scheinbar coolen Trenchcoat-Experten, der allerdings klammheimlich mit der Frage beschäftigt zu sein schien, ob er des Kaisers selbsttönende Sonnenbrille stehlen und damit weglaufen solle. Nebst einem blassen Sky-Moderator, der sich im späteren Verlauf der Groteske nicht entblödete, den Kaiser zu fragen, ob er einen BVB-Schal umlegen wolle, und ansonsten enttäuscht zu sein schien, dass man seiner dumpf-bräsigen Runde noch nicht einmal ein paar Bierduschen verpassen wollte.

Dieses Bild nun bot sich dem enthusiasmierten BVB-Fan, der sich eigentlich an jubelnden Spielern delektieren wollte. Ein Pokalfinalus Interruptus sozusagen. Die Szene wäre eigentlich kaum einer Erwähnung wert, symbolisierte sie nicht in idealer Weise, dass das durchritualisierte deutsche Fußballübertragungsexpertentumgetue komplett in Münchner Hand ist. Anders lässt sich die unterirdisch schlechte Laune, die von der Runde ausging, nicht erklären. Nun ist es ohnehin eine Beleidigung durch Sky, wenn es den Kaiser als neutralen Experten zu Spielen mit Bayern-Beteiligung lädt, zur Qual wird es vollends, wenn der dem BVB zugeneigte Zuschauer ausschließlich mit der Ursachenforschung konfrontiert wird, warum die Bayern denn nun so schlecht waren. Dass das faszinierende Spiel so eindeutig ausgefallen war, könnte ja auch damit zusammenhängen, dass eine überragend aufspielende Mannschaft auf dem Platz gestanden hatte. Doch darüber wollten die Experten nicht reden.

Das alles ist symptomatisch. Kaum jemandem scheint aufgegangen zu sein, was sich in den vergangenen zwei Jahren wirklich im deutschen Fußball verändert hat. Das, was der BVB seit zwei Spielzeiten demonstriert, ist nichts anderes als das definitive Ende des Fußballs, wie wir ihn bisher kannten. Dass die Bayern seit nunmehr fünf Begegnungen gegen den BVB keinen Stich mehr bekommen haben, hat nichts mit der Schwäche der Bayern zu tun. Es hat ausschließlich damit zu tun, dass sie nicht in der Lage und Willens sind, zu analysieren, wieso der BVB immer besser ist. Direkt nach den Niederlagen haken sie immer alles ganz schnell ab und gehen zur Tagesordnung über. Mia san mia. Ein folgenschwerer Fehler. So werden sie nie dahinter kommen.

Der BVB hat alles abgestreift, was in der Vergangenheit deutsche Fußballerbeine schwer machte. Dümmliche Leitwolf-Phantasien Erich Ribbeck’scher Provenienz, Berti Vogt’sche Verkniffenheit, taktische Allerweltsweisheiten à la Otto Rehhagel. Der BVB hat zwei Jahre lang unglaublich intelligent Fußball gespielt – von einigen unerklärlichen Auftritten in der CL mal abgesehen. Während der ganze Rest der Liga noch auf dem Niveau von Waldis EM-Club kickte, übte sich der BVB längst im filigranen intellektuellen Florettfechten des Philosophischen Quartetts. Die unergründlichen Laufwege des Kagawa Shinjii, die kompromisslose Ubiquität des Manni Bender, die robuste Rastlosigkeit des Robert Lewandowski, der nie versiegende Ideenüberschuss des Mario Götze, die majestätisch-erhabene Raumsicherheit des Mats Hummels. Das BVB-Spiel ist facettenreich und komplex. Und es braucht ein bisschen mehr als ein paar schwatzhafte Ex-Fussballer, um es zu verstehen und einem Millionenpublikum unterhaltsam zu vermitteln.

Ja, die mies gelaunten Experten im Berliner Olympiastadion müssen es instinktiv gespürt haben: sie können die Schönheit und Größe des BVB-Spiels noch gar nicht fassen und beschreiben. Deshalb reden sie immer über die Bayern. Die spielen den Fußball von gestern. Den verstehen sie.

10 Gründe, warum der BVB Meister wird

3 Nov

Ein bisschen unheimlich ist es ja schon, dass der BVB bisher eine so (fast) makellose Bundesliga-Saison gespielt hat. Vor der Saison hätte ich so etwas nicht einmal zu träumen gewagt. Volldampf-Fussball, unbeschwert aufspielende Grünschnäbel und ihre „Gier“ auf Punkte und Siege lassen darauf hoffen, dass es wieder mal eine ganz große Saison für den BVB wird. Zur Meisterfeier am 14. Mai 2011 habe ich mich jedenfalls schon mal angemeldet.

10 Gründe, warum der BVB Meister wird:

  1. Wir sind einfach mal wieder dran. Außerdem: Die Neureichen aus Hoffenheim dürfen es einfach nicht werden, der sog. Werksclub aus Vizekusen kann es nicht werden. Mainz wird  in der Rückrunde durchgereicht. Frankfurt? Nöö.
  2. Die Bayern werden sich noch mal aufraffen, aber die zehn Punkte Rückstand zum BVB müssen erst mal aufgeholt werden. Da können gut und gerne noch 20 Spieltage vergehen.
  3. Die Mannschaft wirkt sehr harmonisch, es gibt keine Stinkstiefel. Die Chemie stimmt.
  4. Jürgen Klopp zeigt immer deutlicher, dass er nicht nur der TV-Strahlemann ist, sondern wirklich was vom Fussball versteht. Er hat eine Philosophie und kann sie umsetzen.
  5. Selbst nach Enttäuschungen (EuroLeague; DFB-Pokal) kommt die Mannschaft immer wieder schnell zurück. Das zeugt von Selbstbewusstsein.
  6. Selbst Ausfälle von Leistungsträgern steckt die Mannschaft weg, es gibt fast immer Alternativen.
  7. Lucas Barrios.
  8. Die „zweite Reihe“ ist exzellent besetzt, insbesondere Lewandowski kann noch viel mehr, als er bis jetzt zeigen konnte. Zidan steigt bald wieder ein. Dede ist immer eine Bank.
  9. Der BVB hat ein professionell arbeitendes Umfeld und Watzke hält zum Glück die Klappe, seit es gut für den BVB läuft.
  10. Was kann es Schöneres geben als Meister zu werden, während ein paar Kilometer weiter westlich immer noch alle glauben, ihr Trainer könne übers Wasser gehen…?
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