Schlagwort-Archiv: Social Media

Der erste Tag der re:publica 11

13 Apr

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Man hätte es ahnen können: Berlin zeigte sich von seiner hässlichen Seite mit Dauerregen und Sturmgetöse. Der erste Tag der re:publica XI war enttäuschend, schwach, irgendwie nervig.

Es begann mit einem inspirationslosen Eröffnungsvortrag, der sich aus irgendwelchen Gründen mit Design beschäftigte und uns irgendwas sagen wollte. Schade, denn ein Eröffnungsvortrag hat eine ganz besondere Funktion: Er ist so etwas wie eine key note, die das Thema der Konferenz setzt, die den großen Rahmen absteckt, die die Erwartungen und Hoffnungen der von weit angereisten Zuhörer aufgreift und in Worte fasst. Nichts von alledem im Vortrag von Philipp Schäfer. Die Zuschauer im proppevollen Friedrichstadtpalast waren nachsichtig mit ihm und schauten ausschließlich auf die Bildschirme ihrer Devices (die sich partout nicht ins W-LAN einloggen wollten).

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Wozu braucht man eigentlich Foursquare?

17 Jan

Mit dem ganzen Social-Media-Gedöns ist es ja so eine Sache. Foursquare zum Beispiel, dieser eigentümliche Local Based Service: Den nutze ich jetzt brav seit anderthalb Jahren, logge mich ein, wo ich gehe und stehe, habe es bis zum ,Mayor‘ der Fleischerei Kolditz oder der Schleuse Gelsenkirchen gebracht – ja, ich kann sogar sagen, dass ich den Essener Norden quasi im Alleingang foursquaremäßig erschlossen habe, allein: Wozu das alles? Ich weiß es nicht. Irgendein schlauer Twitterer hat mal gesagt, Foursquare sei ein typisches Jungenspielzeug, denn die Jungs müssten halt immer an irgendwelche Bäume pinkeln. Da könnte was dran sein.

Gut, man bekommt allerhand Badges für besonders intensives Eingechecke, man kann immer sehen, wo sich die sogenannten Friends gerade so herumtreiben. Na ja, die meisten von denen kenne ich sowieso nicht aus dem wahren Leben und so ist es mir eigentlich schnurz, wer nun gerade auf Bahnsteig 3 am Bahnhof Nürtingen steht.

In Werbespots wollen sie uns immer weismachen, dass riesige Freundeskreise ständig in irgendwelchen Cafés herumlungern und nichts anderes zu tun haben, als sich mit ihren Smartphones gegenseitig zu orten und natürlich spontan zu verabreden. Ich weiß nicht, ob die Werbefuzzis wirklich an diese antiseptischen Ferrero-Küsschen-Freundeskreise glauben, aber selbst, wenn es sie geben sollte: Ich möchte nicht zu ihnen gehören. Lieber werd‘ ich einsamer Schleusenwärter in Gelsenkirchen.

In manchen Blogs kann man nachlesen, welch großes Marketing-Potenzial in Foursquare stecke. Die Unternehmen müssten das nur endlich mal begreifen, dass die Leute da kostenlos Werbung für sie betrieben. Und sie müssten den Foursquarianern mal endlich was bieten, damit diese auch einen Ansporn hätten. Manche tun das, wie zum Beispiel die Restaurantkette Vapiano. Wer bei einer Filiale von denen Mayor ist, bekommt einen Gratiskaffee. Ui, wenn das kein Anreiz ist, für so einen Gratiskaffee kann man sich wirklich mal richtig ins Zeug legen!

Screenshot Foursquare

Ich selbst war neulich im NRW-Forum, einem schicken Museum in Düsseldorf. Die Macher dort sind mächtig Social-Media-orientiert. Es gibt eine iPhone-App, die einen hilfreich durch die Ausstellungen begleitet. Und fleißige Foursquare-Nutzer werden auch belohnt: Bei jedem 5. Check-in bekommt man 50% Rabatt beim Kauf eines Ausstellungsplakates. Hm, die Ausstellungen laufen in der Regel ein paar Monate. Unter Umständen braucht man zwei Jahre bis man fünf Mal eingecheckt hat und so ein Ausstellungsplakat kostet ja nun auch nicht die Welt…

Nun gut, lassen wir das kleinliche Aufrechnen. Aber offensichtlich wird das so nix mit den Unternehmen und Foursquare. Mir würde es ja schon reichen, wenn ich bei der Schleuse Gelsenkirchen auch mal die Schleusentore bedienen oder beim Fleischer Kolditz einem Bio-Huhn in die ewigen Jagdgründe verhelfen dürfte.  Aber der schenkt mir ohnehin zu Weihnachten immer ein neues Pittermesser. Ganz ohne Foursquare. Und das ist ja auch schon ganz schön schön schon.

Social Media als Management-Aufgabe in Unternehmen

25 Okt

Soziale Netzwerke haben für die Kommunikation von Unternehmen und Institutionen weitreichende Konsequenzen. Sie müssen offen und transparent auftreten, ein Anspruch, mit dem sich Viele noch schwer tun. Und sie brauchen die Expertise von webaffinen Mitarbeitern, doch die könnten schon bald schwer zu rekrutieren sein.

 Die allermeisten PR-Verantwortlichen haben mittlerweile verinnerlicht, dass das social web die Kommunikation grundstürzend verändert. Dass Botschaften in den sozialen Netzwerken unsteuerbar sind, dass jedes Unternehmen, jede Einrichtung ununterbrochen kritisch beobachtet wird, dass der herkömmliche Journalismus zunehmend an Bedeutung verliert, dass es eine nur eine Antwort auf all dies gibt: größtmögliche Transparenz. Und genau hier ist man mitten in der gegenwärtigen Misere deutscher Unternehmen und Institutionen. Denn mit der Transparenz hat man es hierzulande nicht allzu sehr. Wenn schon der Spießbürger seinen Vorgarten nicht bei Google sehen möchte, wie schwer müssen sich dann Unternehmen mit der Notwendigkeit tun, offen, ehrlich, dialogbereit zu sein.

Unternehmen, mehr noch öffentliche Einrichtungen und Institutionen des Dritten Sektors sind noch tief in den Strukturen vergangener Jahrzehnte verwurzelt. Ihre eigenen Strukturen haben sich seitdem auch nicht tiefgreifend gewandelt: starke Hierarchisierung im Konzert mit überkommenen Kommunikationsstrategien ergeben leider immer noch jene ungenießbare Melange aus Größenwahn und Kleinkrämertum. Auf PR-Leute in diesem Land kommt zurzeit die Herkulesaufgabe zu, sich zugleich nach außen in den Kommunikationswelten der Netzwerke bewähren zu müssen und außerdem energisch ins eigene Unternehmen zu wirken, um es mit jenen zu verzahnen. Wie viele Pressesprecher mögen sich wohl tagtäglich den Mund fusselig reden, um ihren Chefs klarzumachen, was die Stunde geschlagen hat? Und wie viele mögen wohl daran scheitern?

“Starke Hierarchisierung im Konzert mit überkommenen Kommunikationsstrategien ergeben leider immer noch jene ungenießbare Melange aus Größenwahn und Kleinkrämertum.”

Nach außen können Kommunikatoren jene Offenheit und Transparenz, von denen ihr Haus in der Realität so weit entfernt ist,  oftmals nur andeuten oder gar simulieren, um nicht das Gesicht in den sozialen Medien zu verlieren. Oftmals sind es ohnehin nur wenige intrinsisch motivierte Mitarbeiter, die sich zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben dem Thema widmen und dafür sorgen, dass eine Einrichtung überhaupt im social web vertreten ist. Wenn es zum Schwur kommt, sind solche aus der Not geborenen Strategien natürlich zum Scheitern verurteilt. Nach innen können Kommunikatoren nur dann ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht werden, wenn Public Relations ein hohes Standing im Hause genießen. Nur dort, wo die Chefs begriffen haben, dass Kommunikation eine „Chefsache“ ist, kann die Anpassung an die neuen Gegebenheiten gut gelingen.

Doch diese Chefs sind noch rar. Die Auffassung, dass Öffentlichkeitsarbeit eine nachgeordnete  Aufgabe ist, ist leider nicht selten. Der Glaube, dass gute Kommunikation von jedem gemacht werden könne, der drei fehlerfreie Sätze auf das Papier bringt, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Und genau daran krankt der öffentliche Auftritt der weitaus meisten Institutionen. Statt Transparenz zu leben, werden vermeintliche „Zielgruppen“ nach wie vor mit wohlfeilen Werbesprüchen abgespeist und teuren, aber nichtssagenden Imagebroschüren bombardiert. Es werden bewusstlos Pressemitteilungen in die Welt gepustet, die niemanden interessieren und wirkungslos verpuffen. Täglich erreichen die dpa-Zentrale 72.000 Pressemitteilungen aus deutschen Pressestellen per E-Mail: eine gigantische Verschwendung von Arbeitskraft, wird doch nur ein geringer Teil überhaupt wahrgenommen, geschweige denn publiziert. Noch immer mühen sich Pressesprecher auf Wunsch ihrer Chefs wochenlang mit der Vorbereitung und Durchführung von Pressekonferenzen, zu denen dann aus Personalmangel bei den Redaktionen bestenfalls die Volontäre geschickt werden. Hier werden viel Zeit und Ressourcen auf veraltete Kommunikationswege verwendet, die – wie es Sascha Lobo einmal ausdrückte – nur die „Illusion von Kommunikation“ vorspiegeln.

Es hat sich leider in den Chefetagen des Landes noch nicht herumgesprochen, dass das neue Kommunizieren nichts damit zu tun hat, nur wieder einen neuen Kommunikationskanal mit den immer gleichen Botschaften zu bedienen. Dass es vielmehr darauf ankommt, zu reflektieren, wie das eigene Unternehmen im „Weltgeschehen“ angesiedelt ist und welche Verantwortung ihm daraus erwächst. Die kritischen Netzbürger haben nicht per se Ressentiments gegen Unternehmen. Aber sie erwarten Unternehmen, in denen man mit echten Personen Kontakt aufnehmen kann, mit denen man in einen kritischen Dialog gehen kann. Sie wollen Unternehmen, die im Dialog mit der „Weisheit der Vielen“ dazu lernen und in der Lage sind, diesen Lerneffekt zu kommunizieren. Sie erwarten offene und sensible Unternehmen. Nicht solche, die sich hinter Marktmacht und Call-Centern verstecken. Die mit jeder Aktion deutlich machen, dass ihnen die Belange ihrer Kunden schlichtweg egal sind. Die immer nur ihren Börsenkurs im Blick haben und niemals ihren Reputations-Kurs.

Um ein netzkompatibles Unternehmen zu werden, braucht es großer Anstrengungen und sicher auch des professionellen Rates von Außen. Wenn die neue Währung für erfolgreiche Unternehmen ehrliches Interesse und Aufmerksamkeit ist, müssen sich diese Unternehmen und Institutionen grundlegend wandeln. Das beginnt mit Kommunikationsabteilungen, die diesen Namen auch verdienen. Sie müssen die Handlungsfreiheit haben, selbstständig für das eigene Haus sprechen sowie schnell und unmittelbar kommunizieren können. Man stelle sich einen Tweet vor, der erst drei Tage zur Freigabe durchs Haus geistert, bevor er „freigegeben“ wird.

“Unternehmen brauchen webaffine Mitarbeiter, die die Sprache der sozialen Netzwerke beherrschen, ihre Gepflogenheiten und ihre unausgesprochenen Gesetze kennen.”

Ganz abgesehen von den personellen Ressourcen: Social Media macht man nicht mit links. Im Gegenteil: Soziale Netzwerke binden Aufmerksamkeit und Zeit. Wer es richtig machen will, muss enorm viel lesen, um Diskussionen mitverfolgen und mitgestalten zu können. Es braucht webaffine Mitarbeiter, die die Sprache der Sozialen Netzwerke beherrschen, ihre Gepflogenheiten und ihre unausgesprochenen Gesetze kennen. Es ist keineswegs eine triviale Management-Aufgabe, das Standing des eigenen Hauses im Web zu beobachten, kommunikative Gefahren zu erkennen, und gleichzeitig die Reputation zu steigern. Man kann diese zentrale Aufgabe beim besten Willen nicht einem Praktikanten überlassen. Sie erfordert große Umsicht und umfangreiches Wissen um die Strategien der eigenen Institution. Kurzum: Der Social-Media-Experte wird künftig zu einer zentralen Figur in der Kommunikation von Unternehmen werden. Und die Unternehmen sind gut beraten, sich schon jetzt um entsprechende Fachleute zu bemühen. Denn es werden einige Jahre vergehen, bevor institutionalisierte Ausbildungswege entsprechendes Fachpersonal hervorbringen werden. Der nächste Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen ist schon jetzt absehbar.

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