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Stirb langsam in der Vorlesung

21 Feb


Da sage noch einer, Wissenschaftskommunikation sei langweilig. So werben der Hochschuldozent Klaus Diepold und seine beiden Assis Rothbucher und Keimel für die Vorlesung „Digitales Video“ an der TU München. Ein Vorlesungs-Trailer im „Die Hard“-Stil ist vielleicht nicht jedermann Sache, mir gibt es jedenfalls die Hoffnung, dass manch verwissenschaftliches Schnarchtum an den Unis hie und da langsam aufgebrochen wird. Zugegeben: Das ist im Medienbereich ungleich einfacher als beispielsweise in der Katholischen Theologie – obwohl: wenn ich mir so überlege, was Christoph Waltz da unlängst mit „DJesus Uncrossed“ vorgelegt hat, ist da für sicherlich auch noch Spielraum…

WamS-Linkschau (3-13): Entnegerung in Obervolta

2 Feb

Mittlerweile hat sie sich ja schon wieder etwas beruhigt, die aufgeregte Debatte um schlimme Wörter in Kinderbüchern. Den glanzvollen Höhepunkt setzte der Literaturmann Denis Scheck in seiner ARD-Sendung „Druckfrisch“: Dort trat er mit schwarz angemaltem Kopf und weißen Handschuhen auf und wetterte gewohnt wortgewandt über den Kniefall der Literatur vor dem „übergriffigen“ politischen Korrekturbedürfnis. Liebe ARD, bitte denk‘ doch in Zukunft bei solchen Aktionen ein bisschen mit: Dieser Part wäre doch rein namenstechnisch viel besser in der unmittelbar vor „Druckfrisch“ stattfindenden Sendung „TTT“ mit Dieter Mohr aufgehoben gewesen.

Nun ja. Aber auch so war die spinnerte Debatte natürlich ein wunderbarer Spaß. Besondere Freude hatte ich am antriebslos vor sich hinfaselnden Burkhard Müller in der SZ vom 15. Januar (S. 11). Der Mann glänzte den halben Beitrag über mit seltsamen Weisheiten über das Wesen der Geschichte („Man darf die Geschichte nicht nur ändern, man kann ja gar nicht anders.“ oder „Geschichte ist nicht, Geschichte wird getrieben, und wie das geschieht, ist starken epochalen Schwankungen unterworfen.“). Und so litt auch sein Artikel unter epochalen Schwankungen, gipfelte aber in dem schönen Satz:

„Was wollen die Befürworter der historisch unverfälschten Kinderbücher wirklich schützen? Den dichterischen Wert von Lindgren und Preußler? Die beiden sind, mit Verlaub, dann doch nicht Goethe.“

Und das ist dann, mit Verlaub, Bullshit. Wir messen dann also alles an Goethe, und wer nicht so gut ist, dem fuhrwerken wir mal ordentlich in seinen Texten herum? Ja, vielen Dank, Herr Müller. Man hätte sich gewünscht, dass die SZ-Redaktion diese Anregung mal direkt auf Burkhard Müllers Text selbst angewendet hätte.

Ein anderer Burkhard Müller (sic!), nämlich ein Burkhard Müller-Ullrich, nahm sich im Deutschlandradio des Falles an und war ganz anderer Meinung als sein Fast-Namensvetter in der SZ:

„Selbst die Bibel ist vor dem Furor der linguistischen Reinigungsbrigaden nicht gefeit und wird jetzt „in gerechter Sprache“ angeboten. Dagegen ist die Entnegerung einiger Kinderbücher fast harmlos. Sie ist ja vor allem eine kommerzielle Operation, mit der ein datiertes Stück Literatur in eine künstliche Zeitlosigkeit versetzt werden soll – als ob man nicht auch Kindern ein Geschichtsgefühl vermitteln könnte, das den einfachen Zusammenhang: ‚Früher sagte man Neger, aber heute besser nicht‘ umfasst.“

Yo.

Jan Fleischhauer meldete sich in seiner SPON-Kolumne zum Thema, die irgendwie spiegeltypisch ganz schmissig war, aber dem Ganzen nun auch nicht den entscheidenden Dreh gab. Erinnerlich blieb mir allerdings die schöne Anekdote über den ollen Sprachdiktatoren Wolf Schneider:

„Zu meinen Ausbildern in der Journalistenschule gehörten nicht die braven Menschen aus Darmstadt, die jedes Jahr das Unwort des Jahres suchen, sondern der strenge Sprachlehrer Wolf Schneider, der für politische Vorgaben wenig Interesse hatte und Burkina Faso unverdrossen weiter Obervolta nannte, weil er nicht bei jedem drittklassigen Militärputsch die nächste Staatsumbenennung mitmachen wollte, wie er uns leichthin mitteilte.“

Ja, wo wären wir ohne die alten Berserker? Zu denen, glaube ich, auch Feridun Zaimoglu gehört? Nun, wie auch immer. Der berserkerte sich durch ein kurzes Interview:

„Ein fanatisierter Korrektor hält den Finger über die Löschtaste. Sein Selbstverständnis: Er gehört zu den Guten. Er begradigt, er berichtigt, und bezähmt damit die Bestie Mensch. Er skandalisiert das unbehagliche Leben. Er retuschiert die Bilder der Entstellung und der Verzerrung. Ein Selbstbetrug. Meist ist der Retuscheur ein Kindskopp mit abgeschlossenem Studium. Die Niedlichkeit ist ein Abschlussfirnis. Er bekämpft nicht das Übel, er dämpft und fälscht.“

So, da habt Ihr es, Ihr Kindsköppe. Und jetzt ist Ruhe im Karton. Ist ja nicht zum Aushalten.

Über Web-Spießer – und andere sinnenentwöhnte Netzbürger

17 Jan

Zu den bemerkenswerten Ausprägungen der ganzen, nicht enden wollenden Diskussionen um das Urheberrecht, um Original und Kopie, um Plagiat und Zitat, um Print und Online gehört die Chuzpe jener, die sich schamlos im Schlaraffenland der Inhalte bedienen und zugleich den Wert jener Inhalte klein reden. Die einen entspannteren Umgang mit geistigem Eigentum einfordern, indem sie den schöpferischen Prozess lächerlich machen. Die aus dem Überangebot von Informationen, Wissen, Meinungen, Überzeugungen, Ideen den Schluss ziehen, allein das Übermaß berechtige zum bedenkenlosen Umgang damit. Gern bemüht wird dann das Bild von der mafiösen Contentindustrie, die nur ihren Profit im Sinn habe. Kapitalismuskritik für Arme.

Besonders perfide wird das Ganze, wenn Leute, die kaum in der Lage sind, unfallfrei zwei gerade Sätze auf 140 Zeichen zu formulieren, über den Untergang des Journalismus sinnieren und altklug über das Zeitungssterben salbadern. Die bedenkenlos eine reiche Zeitungslandschaft für ihre drei bevorzugten, halbwegs lesbaren Blogs opfern würden, weil ihre Zeit und ihre intellektuelle Kompetenz zu mehr ohnehin nicht ausreicht. Solche Leute sind nichts anderes als Web-Spießer, weil sie nur in ihrer kleinen Web-Welt leben und alles auf diese kleine Welt beziehen bzw. alles aus ihr heraus interpretieren. Getrieben von einem seltsamen Hass auf alles, das nicht webkompatibel ist. Das wird dann höhnisch als gestrig verulkt. Und die Heilserwartungen, die solche Leute an das Web knüpfen, nehmen nicht selten religiöse Züge an.

Unlängst hatte ich auf Google+ eine unerquickliche Diskussion über ein Buch, das wir unlängst im Hause meines Brötchengebers produziert und veröffentlicht hatten. Warum es dieses Buch nicht als eBook gebe, wollte ein kritischer Netzbürger wissen. Ich erklärte es ihm: Wir hatten durchaus darüber nachgedacht, aber aus verschiedenen Gründen verworfen. Das hatte vor allem mit den Inhalten und dem Erscheinungsbild des Buches zu tun. Es handelt sich um ein reines Interviewbuch. Das heißt, es besteht aus 24 langen, intensiven, großartig vielschichtigen Interviews mit Denkern, die wirklich noch etwas zu sagen haben. Journalistische Leckerbissen. Intellektuelle Festspiele.

Um das Buch noch interessanter zu machen, ließen wir die Protagonisten von einer ganzen Riege hervorragender Fotografen eigens shooten, so dass wir für jedes Interview nicht nur einen tollen Text, sondern auch noch hochwertiges Bildmaterial zur Verfügung hatten. Unsere Überzeugung war: Das Buch würde erst durch die grandiosen Fotos den richtigen Kick bekommen. Deshalb durften wir an dieser Stelle auch nicht kleckern. Wir schickten Fotografen nach England und in die tiefste bayerische Provinz, wir verfolgten hartnäckig die viel beschäftigten Manager oder Forscherinnen über Monate durch die halbe Republik bis wir endlich alle im Kasten hatten.

Auch bei der Gestaltung des Buches überließen wir nichts dem Zufall. Satz, Typografie, Farben, Papierauswahl, Umschlagmaterial, all das wurde von kompetenten Buchgestaltern entwickelt, ausgewählt, mit Herzblut diskutiert. Jeden Entwicklungsschritt gingen wir mit dem größten Enthusiasmus, redeten uns die Köpfe heiß, wollten immer das beste denkbare Ergebnis. Ein schönes Vorsatzpapier, die richtige Papier-Grammatur, ein schönes Lesebändchen. Auch Druckerei und Buchbinder gaben ihr Bestes. Am Schluss hatten wir dann ein wahres Schmuckstück von Buch, das man gern zur Hand nimmt. Aber eins, das nicht nur durch die Form überzeugt, sondern vor allem durch den Inhalt.

Zurück zum kritischen Netzbürger. Der wollte nun unser Schmuckstück als eBook. Ein nicht unberechtigtes Ansinnen, aber wie sollte das aussehen? Unsere hochwertigen Farbfotos, für die wir so gekämpft hatten, auf dem schmalbrüstigen Schwarz-Weiß-Bildschirm eines billigen Kindle-Lesegerätes? Unsere sorgfältige typografische Arbeit verhunzt durch die Einheitsschriftarten? All unser Aufwand bezüglich Farbgebung, Rhythmus, Haptik für die Katz? Eine Alternative zum Kindle wäre iBooks – also die eBook-Welt für Apple-Devices – gewesen, weil es mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Aber dennoch hätte es bedeutet, ein komplett neues Buch zu machen, nämlich eines, das ganz auf die Möglichkeiten des iPads ausgerichtet gewesen wäre. Bei einem ohnehin aus buchmacherischem Enthusiasmus schon bis an die Grenzen belasteten Budget. Und dann hätte man ein Buch, das ausschließlich in Apples iBookstore erhältlich wäre. Schön, aber was machen Besitzer eines Samsung-Tablets oder eines Nexus-Gerätes? Hätten wir ein herkömmliches Buch mit ausschließlich Fließtext und ein paar Zwischenüberschriften gehabt, wäre alles viel leichter gewesen. Aber so? Nein, das war uns doch zu aufwändig, für mehrere Plattformen ein eBook zu produzieren, womöglich noch auf die Gefahr hin, dass man am Ende bei zweistelligen Downloadraten stecken bleibt.

All das erklärte ich dem kritischen Netzbürger. Doch der schrieb nur: „Alles schön und gut. Aber das sind doch alles nur Grafik-Designer-Argumente.“ Er wolle doch nur den nackten Text haben. Er wolle doch nur wissen, was all die schlauen Leute in dem Buch zu sagen hätten. Denn darauf käme es doch an. Auf die Inhalte. Nicht auf diesen ganzen „Wir-machen-ein schönes-Buch-Schnick-Schnack“.

Doch – kann ich darauf nur antworten – genau darauf kommt es an, Du kritischer Netzbürger. Nämlich auf den schöpferischen Prozess. Auf die Freude, die es bereitet, etwas besonders gut zu machen, die Fülle der Möglichkeiten zu nutzen. Auf die große Genugtuung, die es bedeutet, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die ihr Handwerk wirklich verstehen: gute Journalisten, Fotografen, Buchgestalter, Typografen, Drucker, Buchbinder, Deckenmacher … Es gibt zum Glück noch genug Leute, die so etwas zu schätzen wissen. Die eben nicht nur die nackte Information wollen, sondern ein Produkt, das den Sinnen schmeichelt. Die noch begreifen, dass Papier eben nicht „bedrucktes totes Holz“ ist, wie überhebliche Netzmenschen immer wieder spöttisch meinen. Der schöpferische Akt und seine Rezeption durch kundige, sinnenfrohe Menschen ist für viele, die sich ausschließlich im Netz tummeln, nur noch das Luxusgehabe einer schon untergegangenen Welt. Man kann solche Leute bedauern. Man kann es aber auch einfach zur Kenntnis nehmen und – abseits der kühlen Netzwelten –  die inspirierende Schönheit raschelnden Papiers genießen.

Ich weiß, kritischer Netzbürger, Du brauchst nur die Worte, die am Morgen in der richtigen Reihenfolge in Deinem Feedreader angezeigt werden. Du willst nur die reine Information. Keine Sorge, die wirst Du bekommen. Aber Du wirst nicht mehr spüren, wie arm Dein Leben eigentlich ist.

WamS-Linkschau (01_13)

7 Jan

Der großartige FAZ-Journalist Jürgen Kaube, in der Regel zuständig für die „Forschung & Lehre“-Seiten sowie für die Geisteswissenschaften, arbeitet sich in seinem Essay an den diversen Zeitdiagnostikern ab, die uns in schöner Regelmäßigkeit irgendwelche Zeitenwenden prophezeien und vor allem unablässig neue Zeitalter ausrufen. Es werde jede Menge behauptet und alles mögliche diagnostiziert, aber am Ende, so Kaube, bleibe doch vieles offen.

„Die Zeitdiagnostik hat also nicht nur eine Präferenz für Neuheitsbehauptungen, sie pflegt auch ein völlig überintegriertes Gesellschaftsbild. Ein Merkmal – etwa Privateigentum an Maschinen, das Internet, Singlehaushalte, Termindruck – wird herausgehoben und als durchgehender Zug des Ganzen mit Auswirkungen in alle entscheidenden Belange behauptet.“

Beim Schweizer „Tagesanzeiger“ führt Constantin Seibt ein außergewöhnliches gutes Blog zum „Journalismus im 21.Jahrhundert“. Selten las ich stilistisch, inhaltlich und formal so großartige Beiträge zum journalistischen Handwerk wie hier. Jüngst beschäftigte er sich mit dem Thema „Thesen“:

„Thesen sind quasi die Schaben des Geistes: fruchtbar, gefrässig und fast unzerstörbar. Ihr Überlebensinstinkt ist erstaunlich: Einmal im Haus finden sie überall Indizien, Beispiele und Statistiken. Und sind praktisch immun gegenüber Gegenindizien, Gegenbeispielen und Gegenstatistiken.“

Journalisten sollten hingegen diesen Mechanismen tunlichst widerstehen, und die Werthaltigkeit ihrer Thesen kontinuierlich überprüfen. Zum Beispiel, „seine These einfach so in der Gegend mäandrieren zu lassen“.

Beim Berliner „Tagesspiegel“ scheint sich leise Hoffnung breit zu machen, dass Online-Bezahlschranken vielleicht doch eine Lösung der Zeitungskrise sein könnte. Man verweist auf das neue Paywall-Modell der „Braunschweiger Zeitung“, die nun sage und schreibe fast 28 Euro im Monat für ihr Online-Abo verlangt. Ich bin gespannt, wie viele Hardcore-Braunschweiger dieses Schnäppchen-Angebot wahrnehmen werden. Christian Jakubetz ist da nicht so überzeugt. Ich auch nicht.

Don Alphonso hat sich noch an den Piraten abgearbeitet, insbesondere an Christopher Lauer. Besonders gut gefiel mir seine Kritik an dem intransparenten Wirken jener parteinahen netzpolitischen Einrichtungen wie D64 oder die DigiGes:

„Dass D64 und DigiGes durch einen hohen Ausstoss von Pressemitteilungen mit ihrer Interpretation des Geleisteten die Medien bestürmen und versuchen, so etwas wie eine Deutungshoheit über die Netzpolitik zu erlangen, gehört zu diesem Geschäft – in dem auch ein Herr Guttenberg von der EU zum Internet-Berater der Kommission geadelt wurde. Immerhin sind diese Organisationen schon dort, wo manche Piraten erst hin möchten: Bei der intransparenten, geschlossenen Gesellschaft, bei der nie ganz klar ist, um was es letztlich geht; Politik, Parteiinteresse oder Einflussnahme zugunsten von AgenturenStartup-Investoren oder Einzelpersonen, die gern ihren Namen in der Presse lesen möchten.“

Space Heroes

4 Jan

 

Cybermobbing – wenn die WAZ Auflage machen will

30 Jun

Unglaublich, welche seltsame Blüten PR manchmal treibt. Da geriert sich eine Bausparkasse als Umfrageinstitut und veröffentlicht eine „Studie“ zu Cybermobbing & Prügelvideos. Was das mit dem Kerngeschäft einer Bausparkasse zu tun hat, hinterfragt offensichtlich kein Mensch bei der WAZ, die das fett ins Blatt hebt und martialisch titelt: „Cybermobbing – wenn das Handy zur Waffe wird„. Unglaublich, wie hier mal wieder mit einem vermeintlich gesellschaftlichen Aufregerthema Auflage gemacht werden soll. Und es ist auch irritierend zu sehen, wie unser immer wieder beschworener Qualitätsjournalismus völlig unkritisch den PR-Strategen einer Bausparkasse auf den Leim geht.

Die „Studie“ selbst habe ich übrigens vergebens auf den LBS-Seiten gesucht. Download Fehlanzeige. Nur eine dünne Pressemitteilung und nichtssagendes Grafikmaterial.

In der Podcastosphäre

9 Jun

Ich habe Podcasts entdeckt! – Das ist natürlich Quatsch. Ich kannte Podcasts ja auch schon vorher. Was ich meine: Ich habe Podcasts entdeckt, aber so richtig.

Ich mache kaum noch etwas anderes als Arbeiten und Podcast hören. Ich laufe mit abwesendem Blick und weißen Stöpseln in den Ohren durch die Gegend. Zum Glück habe ich auch an meinem Fahrrad eine Halterung für mein Smartphone und kann deshalb auch auf meinen ausgedehnten Fahrradtouren ausschließlich Podcasts hören. Neulich bin ich mit dem Rad zur Jahrhunderthalle in Bochum gestrampelt, aber eigentlich war ich mit den Jungs vom „Schöne Ecken“-Podcast in Oviedo. Lange Zugfahrten vergehen wie im Flug, wenn man dem unterhaltsamen Gegackere von @Holgi in der Wrintheit zuhört, Matthias Fromms Jung-Wissenschaftler-Gesprächen oder Nikolas Semarks Elementarfragen.

Was für ein unglaublicher Reichtum in dieser Podcastosphäre herrscht! Und ich hab‘ von all dem bisher nichts gewusst! Hey, da sitzen ein paar gescheite Jungs und schwatzen drei Stunden am Stück über Macs. Und das alle paar Wochen. Ohne Musik. Im herkömmlichen Radio muss ja immer schon nach zwei Minuten Wortbeitrag irgendein Geschrammel laufen.

Dieser Tim Pritlove scheint ja geradezu in einem Aufnahmestudio zu leben. Christian Bednarek von der Hörsuppe macht offensichtlich nichts anderes, als Podcasts zu hören und darüber zu berichten. Schon in den frühen Morgenstunden sendet er einem die ultimative Tages-Podcast-Vorschau in den Podcatcher. Nicht zu vergessen die sehr professionell daherkommenden Geeks um Marcus Schuler oder die sympathischen Analytiker Michael Seemann und Max Winde.

Und dann noch all das Ungehörte: Fußballpodcasts, Ernährungspodcasts, Literaturpodcasts, Genderpodcasts. Und das alles gemacht von mehr oder weniger medientauglichen Menschen, abseits der großen Medienmaschinerien, ohne Einschaltquotendruck oder Klickratenterror. Nur einen Flattr-Button haben sie fast alle und fast alle zurecht. Schließlich kostet halbwegs gut klingendes Podcasting ja auch Geld.

Screenshot Instacast HD

 

Zum momentanen Extrem-Podcast-Hörer hat mich eine kleine App namens Instacast gemacht. Dieses Teil kommt erst ein bisschen kryptisch daher, aber erweist sich bei näherer Beschäftigung als fast perfekte Podcast-App. Podcasts zu suchen, zu abonnieren oder zu managen ist mit diesem Teil eine wahre Freude. Man bekommt die App sowohl fürs iPhone als auch fürs iPad, und was das Schönste ist: Man kann beide Devices über die iCloud synchen. Das betrifft nicht nur Abos, sondern geht bis zur Synchronisation der Zählerstände im aktuell gehörten Podcast. Nicht schlecht, wenn man sich das iPhone greift, um nach draußen zu gehen, und an genau der Stelle weiterhören kann, an der man gerade das iPad ausgeschaltet hat. Selbstredend beherrscht sie auch Airplay, um den Podcast bei Bedarf auch per AppleTV an die große Anlage zu streamen. Bei mir läuft jedenfalls zum Frühstück nicht mehr WDR2, sondern immer öfter der Hörsuppe-Vorcast. Nur Flattrn kann man nicht mehr per Instacast, seit Apple Flattr die rote Karte gezeigt hat. Aber wer weiß: Vielleicht ist da noch nicht das letzte Wort gesprochen.

 

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