Archive | Wissenschaft RSS feed for this section

Stirb langsam in der Vorlesung

21 Feb


Da sage noch einer, Wissenschaftskommunikation sei langweilig. So werben der Hochschuldozent Klaus Diepold und seine beiden Assis Rothbucher und Keimel für die Vorlesung “Digitales Video” an der TU München. Ein Vorlesungs-Trailer im “Die Hard”-Stil ist vielleicht nicht jedermann Sache, mir gibt es jedenfalls die Hoffnung, dass manch verwissenschaftliches Schnarchtum an den Unis hie und da langsam aufgebrochen wird. Zugegeben: Das ist im Medienbereich ungleich einfacher als beispielsweise in der Katholischen Theologie – obwohl: wenn ich mir so überlege, was Christoph Waltz da unlängst mit “DJesus Uncrossed” vorgelegt hat, ist da für sicherlich auch noch Spielraum…

The Centrifuge Brain Project

5 Feb

Mad scientist at work: Großartige Fake-Doku.

WamS-Linkschau (02-13): Deutsch als Wissenschaftssprache

13 Jan

Die Diskussion über “Deutsch als Wissenschaftssprache” währt hierzulande schon seit einigen Jahren. In größerem Maße beschäftigte sich zuletzt – wenn ich das recht überblicke – die Konferenz “Deutsch in den Wissenschaften” des Goethe-Institutes mit dem Thema. Es hat sich sogar ein Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache gegründet, dessen Vorsitzender, der Münchener Immunologe Ralph Mocikat, sich seit vielen Jahren zu diesem Thema äußert. So hat der Arbeitskreis auch sieben Thesen zur deutschen Sprache in der Wissenschaft formuliert. Und in diesen Tagen macht ein neues Buch mit namhaften Autoren wieder auf das Thema aufmerksam.

Die Klage, die in aller Regel bei diesem Thema geführt wird, lautet in aller Kürze: Das Deutsche werde in der Wissenschaft immer mehr zugunsten des Englischen zurückgedrängt. Das Englische werde – dieser Begriff darf niemals in einem Beitrag zum Thema fehlen – zur “lingua franca” der Wissenschaften. Es sei nicht hinzunehmen, dass deutsche Hochschullehrer in schlechtem Englisch radebrechten, nur weil man gerade ganz kräftig einen auf Internationalisierung machen wolle. Wobei man sich an dieser Stelle natürlich auch fragen kann, warum deutsches Hochschulpersonal offensichtlich durch die Bank ein so grauenhaftes Englisch spricht? Ich weiß es auch nicht.

Wer allerdings natürlich wieder etwas weiß, ist unser Berliner Kiezwächter Wolfgang Thierse, der nicht nur die Schwabisierung seines Berliner Kiezes beklagt, sondern auch – in o.g. Buche – die “Anglisierung der Wissenschaften”. Die nämlich – weiß der Schrippenfreund – führe dazu, dass der Kontakt zwischen dem Bürger und der Wissenschaft verloren gehe. Nun ja, denke ich da als kritischer Bürger, es macht eigentlich keinen Unterschied, ob der der Bürger das wissenschaftliche Denglish nicht versteht oder das deutsche Kauderwelsch, dass der gemeine Professor in der Regel in Form von Aufsätzen, Vorlesungen oder Büchern verzapft. Man kann deutschen Forschern sicherlich vorwerfen, dass sie kein gutes Englisch sprechen oder schreiben – noch eher trifft das auf gutes Deutsch zu. Dass ein deutscher Historiker den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat sich sich seit 1902 denn auch folgerichtig nicht mehr wiederholt.

Aber stimmt denn all dieses Wehklagen über die Dominanz des Englischen in deutschen Vorlesungssälen überhaupt? Susanne Flach vom “Sprachlog” hat nur mal kurz nachgeschaut, wie das beispielsweise in Berlin aussieht und kommt – o Wunder – zu der Erkenntnis, dass davon nun mal überhaupt keine Rede sein kann.

Vielleicht ist es nicht repräsentativ, aber die Panik vor dem Untergang der Unterrichtssprache Deutsch ist zumindest für eine große Universität und für jetzt unbegründet.

“Was macht es denn?” Seltsamerweise hatte ich die ungeduldig krächzende Stimme Gollums im Kopf, als ich das Interview des neuen DFG-Präsidenten Peter Strohschneider in der Süddeutschen las. Wohlweislich hat die Zeitung dieses Interview vom 5. Januar 2013 (Seite 6) nicht online gestellt. Denn auch dieses bestätigt wieder meine These: Ob Deutsch oder Englisch gesprochen wird: Man versteht sie einfach nicht, die deutsche Forscherelite. In dem Interview geht es -wie könnte es anders sein – natürlich wieder um alles: um knappe Forschungsmittel, um den Drittmittelwahnsinn, um Annette Schavan, und natürlich um Bologna und den Bachelor. Wie könnte es anders sein?

Ausriss Strohschneider-Interview

Ausriss Strohschneider-Interview, SZ, 5. Januar 2013

Beim Thema “Bachelor” beißen sich sich deutsche Bildungsjournalisten gerne mal an ihrem Gesprächspartner fest. So auch hier: Johann Osel und Roland Preuß  werden zu reißenden Wölfen:

Der Bachelor als Einfallstor für die Bildung der Masse würde also heißen, dass man ein sinkendes Niveau in Kauf nimmt. Dann ist das harte Wort vom “Schmalspurakademiker” zutreffend?

Für alle, die sonst nur den “Bachelor” von RTL kennen, heißt diese Frage übersetzt: “Bachelor – dat taugt doch nix, oder?” Und nun zeigt sich die ganze Erfahrung und Raffinesse des Wissenschaftsmanagers Peter Strohschneider. Denn erst einmal führt er die vermeintlich knallharten Investigativjournalisten auf Abwege:

Es erscheint mir erkennbar, dass für die Gesellschaft das gesamte System ihrer intellektuellen Selbstreproduktion eine große Herausforderung darstellt.

Friss das, Osel! Was nun, Herr Preuß? Doch der Reihe nach: Das ist zunächst dieses abwägende “Es erscheint mir erkennbar…” – tja, es erscheint aber auch nur so! In Wirklichkeit ist alles viel verschwommener, unklarer. Nur unser Forscher kann etwas erkennen, nur schwer zwar, aber schließlich ist er der Held in diesem Stück. Und er erkennt: eine Herausforderung!  Was wären wir ohne unsere Herausforderungen? Vor allem, wenn es um Selbstreproduktion geht. Aber was bedeutet nun dieser Satz? Vielleicht so etwas wie: “Klugen Nachwuchs zu bekommen, ist echt irgendwie schwierig.” (oder so).

Und es geht munter weiter:

Die Beantwortung dieser Herausforderung mit dem Ruf nach weiterer Akademisierung wird an Grenzen stoßen.

Dieses nun muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Hier wird also eine Herausforderung (s.o) mit einem Ruf beantwortet. Das an sich ist schon ziemlich abenteuerlich, wird aber besonders interessant dadurch, dass in diesem Satz auch noch etwas an seine Grenzen stößt. Bloß was? Der Ruf, die Beantwortung, die Herausforderung, die Akademisierung? Man kann nur raten.

Vielleicht helfen die beiden folgenden Sätze weiter:

Im öffentlichen Diskurs wird zuweilen im selben Atemzug mehr Sozialaufstieg durch Bildung gefordert und zugleich mehr Exzellenz. Der Anspruch auf Chancengleichheit und derjenige auf Leistungsgerechtigkeit sind aber nicht einfach spannungslos vereinbar.

Was bedeutet dies nun wieder? Es erscheint erkennbar, Strohschneider wolle uns sagen, dass wir uns entscheiden müssen: Entweder wir beteiligen zunehmend auch diejenigen an unserem Hochschulbildungssystem, die wir in aller Regel als bildungsfern bezeichnen. Oder wir pumpen die ganze Kohle weiter in ein paar Eliteschmieden. Beides zusammen gehe eben nicht. Zumindest nicht ohne Krach.

Nun, wenn ich wählen dürfte, würde ich für den Krach plädieren. Wenn wir uns internationalen Forschungs-Elitestatus nur dadurch erkaufen könnten, dass wir weiterhin unser ungerechtes Bildungssystem pflegen, dann wäre dieser ohnehin nicht viel Wert. Im Übrigen wäre eine hohe Bildungsbeteiligung sowohl gesamtgesellschaftlich als auch wirtschaftlich gesehen sicher wertvoller als der exzellente Ruf unserer Forschungsschmieden. Spätestens in sieben oder acht Jahren brauchen wir sehr viele, akademisch gut Ausgebildete. Da werden wir ohne die, die wir jetzt immer noch von den Töpfen fernhalten, sowieso nicht auskommen.

Wie sehr wir uns dem Fetisch der Exzellenz in der Forschung schon ausgeliefert haben, zeigt sich auch daran, welchen Stellenwert Drittmittel mittlerweile an den Hochschulen haben. Nicht mehr die Forschung selbst wird dort zum Ausweis von Exzellenz, sondern die Höhe der Drittmittel, wie Stefan Kühl wunderbar beschreibt. 

Oft käme es nur noch darauf an, für vorhandenes Geld entsprechende Forschung aufzutreiben, statt für wohlbegründete Forschung Geld zu besorgen.

Es scheint also genug Geld im System vorhanden zu sein. Vielleicht könnten wir ja dann von der staatlichen Grundfinanzierung der Hochschulen doch ein bisschen mehr für die Chancengleichheit abzweigen…

Und vielleicht lügen wir uns mit dem ewigen Gerede von Exzellenz sowieso etwas in die Tasche. Allzu oft scheint in den Forschungslaboren der Welt ziemlich viel daneben zu gehen, wovon wir uns in den vergangenen Tagen unter dem Twitter-Hashtag #OverlyHonestMethods überzeugen konnten. Die besten Tweets zum Thema hat die Huffington Post zusammengetragen, z.B. auch diesen hier:

Die Wissenschaftskommunikation hört nicht zu

19 Okt

In den vergangenen Tagen ist wieder viel zum Thema Wissenschaftskommunikation zu lesen. Anlass war die Gründung des sogenannten Nationalen Institutes für Wissenschaftskommunikation – NaWik , einer gemeinsamen Einrichtung der Klaus Tschira Stiftung und des Karlsruher Institutes für Technologie. Der Anspruch des “Nationalen” im Titel irritiert mich ein wenig: das klingt so nach Akademie, nach großer Politik, nach dem ganz großen Wurf. Dass es das vielleicht noch gar nicht ist, haben sowohl Reiner Korbmann als auch Markus Pössel in ihren Blogposts angedeutet. Und in der Tat suggeriert ein erster Blick in das Angebotsspektrum des Institutes nicht gerade den großen Aufbruch in ein neues Zeitalter der Wissenschaftskommunikation. Angeboten wird viel Handwerkliches, Schreib- und Medientraining beispielsweise. Mithin also das, was ohnehin dutzend-, wenn nicht gar hundertfach in Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen angeboten und durchgeführt wird. Natürlich tut es nach wie vor Not, Wissenschaftler an gutes und verständliches Deutsch heranzuführen. Der “Schwafelkiller” von Weiss/Sonnabend ist nach wie vor ein hochaktuelles Buch. Und sicher ist es auch nicht von Nachteil, wenn der Herr Professor/die Frau Professorin lernt, dass man vor einer Kamera nicht in endlosen Schachtelsätzen spricht. Aber braucht es dafür ein Nationales Institut mit einem richtig großen N?

Es wäre sicherlich verfehlt, die Arbeit und Zielrichtung des Nawik schon nach wenigen Tagen zu verurteilen – dazu gibt es auch keinen Anlass. Aber es wird sich an seinem Anspruch messen lassen müssen. Und es wäre wirklich wünschenswert, wenn von ihm Impulse ausgingen, die über das bisher Erreichte hinausgingen. Doch nach Allem, was ich vernehmen kann, scheint dieser Wunsch, zumindest für den deutschsprachigen Raum, vorerst ein frommer zu bleiben. Denn die Wissenschaftskommunikation nimmt sich als solche in Deutschland viel zu wichtig und scheint fast etwas selbstverliebt viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Das beginnt schon beim Begriff selbst: Hat schon mal jemand etwas von “Kunstkommunikation” oder von “Sportkommunikation” gehört? Natürlich nicht, man wüsste auch nicht, was das eigentlich sein soll.

“Die Wissenschaft” geht hingegen immer davon aus, dass ihre Inhalte, Ziele und Absichten so wichtig und wertvoll sind, dass der Rest der Welt unbedingt davon erfahren müsse. Das ist ein hehrer Anspruch und trifft für so manche Wissenschaft auch sicher zu. Doch für viele sicher auch nicht: Ich wage die These, dass ein Großteil der hochspezialisierten wissenschaftlichen Fragen die allermeisten Menschen einen feuchten Kehricht interessiert. Und das ist auch gar nicht tragisch, weder für die Menschen, die das nicht interessiert, noch für die Wissenschaftler, die sich tief ins Bergwerk der Wissenschaften vorgekämpft haben.

Trotz allem möchte die Wissenschaft kommunizieren, was nicht verwunderlich ist. Denn sie hat ja Interessen: so tief in die Bergwerke vorzudringen, kostet Geld, viel Geld. Und das müssen diejenigen aufbringen, die gar nicht so recht nachvollziehen können, was da unten eigentlich geschieht. Unser System der Wissenschaftsfinanzierung beruht auf den großzügigen Vorschüssen des Bürgers, der wie selbstverständlich davon ausgeht, dass innerhalb von Universitätsmauern Dinge geschehen, die unsere Gesellschaft voranbringen. Da es bisher noch nicht zu Ausschreitungen gekommen ist, ist davon auszugehen, dass diese Annahmen nicht ganz abwegig sind bzw. dass es der Wissenschaft gelungen ist, den Eindruck zu erwecken, dass es so sei. Die Wissenschaft hat einen gewissen Nimbus zu verteidigen, was durch die aktuell nicht abreißende Zahl der Dissertations-Skandale nicht eben leichter wird.

Es ist der Anspruch auf Deutungshoheit, den die Wissenschaft nicht verlieren will. Es geht um die Verteidigung von Pfründen und das ist der denkbar schlechteste Antrieb, um mit dem Bürger ins Gespräch zu kommen. Denn wer wirklich kommunizieren will, hört erst einmal zu. Und genau das geschieht nicht. Wissenschaftskommunikation kommt mir vor wie eine aufdringliche Person, die sich sozial gibt und dann doch nur von sich selbst spricht.

Die Bürger, ihre Fragen und ihre Nöte, kommen in der Wissenschaftskommunikation bis auf zaghafte Ansätze bisher kaum vor. Vielleicht brauchen wir noch ein Nationales Institut für wissenschaftliche Bürgerfragen – für die Wissenschaftskommunikation wäre das ein wichtiger Kompass. Solange sie nämlich auf Fragen antwortet, die niemand gestellt hat, wird sich auch kaum jemand dafür interessieren.

Zwischen allen Stühlen

11 Dez

Ein kurzes Fazit zum Forum Wissenschaftskommunikation 2011.

Odysseum Köln, 6. 12. 2011

Das „Forum Wissenschaftskommunikation“ (FWK) stand in diesem Jahr (6. bis 8. Dezember 2012 in Köln) erstmals unter einem Motto: „Zwischen den Stühlen. Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft“. Ich hatte als Mitglied der Programmkommission frühzeitig darauf gedrungen, das Forum unter ein Oberthema zu stellen. Denn schließlich schwebt Wissenschaftskommunikation nicht im freien Raum, sondern ist vielfältigen Prozessen unterworfen, entwickelt sich weiter, streift Altes ab und begegnet neuen Aufgaben. Um so wichtiger ist es, dass sich die Schar derer, die sich professionell mit der Kommunikation von Wissenschaft beschäftigt, nicht bloß einmal im Jahr irgendwo trifft, um die immer gleichen Probleme zu diskutieren, sondern das eigene Tun im Licht der oben beschriebenen Prozesse reflektiert. Ein jährliches Treffen wie das FWK bietet die Möglichkeit, zu überprüfen, wo „die Wissenschaftskommunikation“ steht, ob und wie sie sich weiter entwickelt.

Die eigentliche Frage, auf die das diesjährige Motto zielte, war die Frage nach den Chancen und Hindernissen der Profession. Wie professionell können eigentlich Kommunikatoren sein, die sich beispielsweise eigentlich längst im Web tummeln müssten, aber ständig von Chefs ausgebremst werden, die noch immer in ihren alten Papierwelten leben? Wie können Kommunikatoren eigentlich auf den rapiden Bedeutungsverlust der herkömmlichen (Print-)Medien reagieren, wenn Sie doch im eigenen Hause immer noch am Umfang des Pressespiegels gemessen werden? Was bedeutet die Digitalisierung von Kommunikationsprozessen? Wie stark wandelt sich das Berufsbild des Presseprechers oder Öffentlichkeitsarbeiters und was bedeutet das für die Kommunikationsformen und -instrumente, die ihm zur Verfügung stehen?

Ein großes Feld also, das auf dem Forum hätte beackert werden können. Doch nur wenig von all diesen interessanten Themen schien beim Forum wirklich auf. Schon die Auftaktvorträge ließen fast alles zu wünschen übrig. Ranga Yogeshwar übte bei seinem Vortrag über die Medien-Berichterstattung zu Fukushima zwar scharfe Kritik an Medien und stellte die journalistische Kompetenz vieler Berichterstatter in Frage, doch letztlich war die Botschaft dann doch nur, was für ein pfiffiges Kerlchen dieser Yogeshwar dagegen doch ist. Für die Zuhörer barg dieser Vortrag dann höchstens die Einsicht, dass Massenmedien noch blöder sind als ohnehin vermutet, und dass – soweit auch nicht unbedingt etwas Neues – lieber der größte Quatsch über die Sender geht, bevor man erst einmal ordentlich recherchiert.

Einem nichtssagenden, inspirationslosen Beitrag aus dem Bundesbildungsministerium folgte dann der hochdekorierte Max-Planck-Forscher Ferdi Schüth, der die eigentlich spannende Aufgabe übernommen hatte, die Erwartungen der Wissenschaft an die Wissenschaftskommunikation zu skizzieren. Sein Vortrag war einer der Tiefpunkte des gesamten Forums und hätte in dieser Form auch gut in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehalten werden können. Schüth malte das Bild des gutmütigen, aber weltfremden Wissenschaftlers, der eigentlich keine Zeit und Lust hat, etwas anderes zu tun, als zu zu forschen. Kommunikatoren gestand er höchstens eine servile Rolle als Steigbügelhalter für die wissenschaftlichen Eminenzen zu. Wir kennen das: Pressesprecher, die an mehrseitige Pressetexte nur noch ein Schleifchen dranstricken dürfen, und das Ganze dann „den Medien“ verkaufen sollen. Reiner Korbmann hat in seinem Blog ausführlich über den Vortrag Schüths berichtet. Seiner Kritik ist nicht viel hinzuzufügen.

Ein weiteres Problem des diesjährigen Forums trat ebenfalls deutlich zu Tage: Den Großteil des Programms aus den Vorschlägen eines „Call for Papers“ zu bestreiten, ist langfristig keine gute Idee. Das Programm zerfaserte, zu viele eingereichte Beiträge gingen am Thema der Tagung vorbei oder streiften es nur gelegentlich am Rande. „Wissenschaft im Dialog“ als Veranstalter sollte in Zukunft meiden, es allen Recht machen zu wollen. Das führt zu Beliebigkeit und einem bedenklichen Absinken des Qualitätsniveaus mancher Sessions. Das Programm braucht deutlich mehr Struktur und thematische Bindung an das Zentralmotto. Zudem müssten die Themen und Personen der zentralen Vorträge und Sessions durch das Programmkomitee festgelegt bzw. ausgewählt werden.

Das Bedürfnis vieler Teilnehmer nach konkreten Hilfestellungen für die tägliche Arbeit könnte gut durch eine Workshop-Reihe parallel zum Hauptprogramm aufgefangen werden. Und all jene, die Aspekte vorstellen möchten, die etwas abseits der großen Themen liegen, könnten dies wunderbar in einer eigens eingerichteten „Speakers Corner“ tun. Dort wären dann alle frei, über das zu reden, was ihnen am Herzen liegt. Und alle anderen wären ebenso frei, zu entscheiden, ob sie sich das anhören mögen.

UPDATE, 12.12.2011, 14:30 Uhr:

Zwei interessante Blogposts zum FWK11 möchte ich allen Interessierten noch ans Herz legen:

Christoph Larssen: Monolog statt Dialog
Matthias Fromm: Shakehands, aber keine Kratzer am Prüfstein

Interessant auch noch mal zum Nachlesen ist der Twitter-Stream zum FWK11.

 

 

Kurzmitteilung

Carsten Rohlfs über den Lernort Schule

28 Nov

So wünscht man sich einen Professor von heute. Ein spannendes Interview mit Carsten Rohlfs, Professor an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und Experte für Schulpädagogik und Methoden der Bildungsforschung.

Ein Gespräch über die Zwangsveranstaltung Schule und die Bildungsbegeisterung von Migranten, das offenbar vorhandene Bedürfnis nach Disziplin und nach einfachen Antworten auf Probleme, das Lernen von guten Beispielen und den Selektionsmechanismus Schule, der Begabung auch zerstören kann.

Carsten Rohlfs sagt: “Das Problem ist, dass die Schule eine Zwangsveranstaltung ist. Schüler finden Leistung und Erfolg gar nicht so uncool. Für die meisten ist es ganz, ganz wichtig.”

Bauchentscheidungen

11 Sep

Die kleine Video-Reihe „Die kommenden Tage“, die ich mit dem Journalisten Timur Diehn für den Stifterverband produziere, hat jetzt noch einmal Zuwachs bekommen. Der renommierte Max-Planck-Forscher Gerd Gigerenzer gibt ein völlig unaufgeregtes und deshalb gerade – wie ich finde – umso interessanteres Interview.

Weiterlesen

Kategorien

Meta

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.