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Bundespräsident: Das Problem ist das Amt

3 Jun

Nico Lummas Aufruf an die Netzgemeinde, sich endlich mal konstruktiv mit der Präsidentenfrage auseinanderzusetzen, hat direkt Früchte getragen. Auf Martin Oettings Posterous kann man seit gestern Abend Vorschläge posten. Doch ach – jetzt wird das ganze Dilemma erst sichtbar. Denn nun kann man sich nicht mehr so einfach aufs Dagegen-Sein zurückziehen, jetzt muss man selbst Farbe bekennen.

Und so stellt man verwundert fest, dass manchem Netzbewohner auch nicht viel mehr einfällt als der durchschnittlichen CDU-Ortsgruppe. Norbert Lammert steht hoch im Kurs, Klaus Töpfer, Rita Süssmuth oder gar zu Guttenberg. SPD-Granden findet man unter den Vorschlägen so gut wie gar nicht – vielleicht ein Hinweis darauf, wie sehr die SPD personell ausgeblutet ist. Und so sprechen sich viele für Helmut Schmidt aus, der geistig sicher dazu in der Lage wäre, sich aber immer weniger auf seinen Körper verlassen kann.

Tag-Cloud zur Bu-Prä-Wahl 2010

BuPrä-Favoriten der Netzgemeinde

Als meistgenannter Kandidat schält sich Joschka Fischer heraus. Der macht schon seit einigen Jahren auf elder statesman, aber auf mich macht er mittlerweile einen sehr abhobenen, arroganten Eindruck. Ein „Bürgerpräsident“ wäre Fischer sicher nicht. Nennungen wie Margot Käßmann oder Götz Werner zeugen davon, dass sich mancher einen Kandidaten mit Grips wünscht, der auch mal ein paar neue Ideen in die Politik einspeist. Aber man stelle sich das Beben in dieser Republik vor, wenn der Bundespräsident fürs bedingungslose Grundeinkommen würbe…

Interessant ist, dass außer Hans-Olaf Henkel und Werner kein Wirtschaftsmensch gehandelt wird. Dabei könnte man hier doch durchaus ein paar zupackende Leute finden. Es muss nicht ja gerade jemand vom Schlage Ackermann sein. Aus der Sphäre von Kultur, Medien und Sport gibt es vielfältige Nennungen, ohne dass sich bestimmte Namen herauskristallisierten. Wer kann sich Ewald Lienen, Christoph Schlingensief oder Peter Sloterdijk auch wirklich beim fleißigen Gesetze-Unterschreiben vorstellen?

Zurück bleibt der Eindruck, dass auch Web-Menschen ein wenig ratlos sind, was diese Personalie angeht. Vielleicht rührt diese Ratlosigkeit auch daher, dass dieses so mit vermeintlicher Bedeutung aufgeladene Amt im Grunde ohne Bedeutung für das Land ist. Wer interessiert sich wirklich dafür, was da den lieben langen Tag im Schloss Bellevue geschieht? Ab und zu mal eine Rede, hin und wieder mal ein öffentlicher Auftritt, ein Bad in der Menge. Das war’s dann auch.

Und wenn ich mich selbst frage, wen ich mir für das Amt wünsche, so fallen mir eine ganze Reihe von guten Leuten ein. Aber denen möchte ich beim besten Willen nicht wünschen, dieses langweilige Amt bekleiden zu müssen. Das Problem ist also nicht die Person. Das Problem ist das Amt.

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